Hagia Sophia

Hagia-Sophia-Museum in Istanbul

Sie ist die größte und älteste Kirche der Welt. Hagia Sophia ist die Mutter aller Kuppelkirchen der Welt, einschließlich des Petersdoms im Vatikan.

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Wahrhaftig. Die Hagia Sophia wurde in Istanbul erbaut, wo das Christentum erstmals als offizielle Religion anerkannt wurde und die Christen ihren Glauben nach 300 Jahren der Verfolgung unbekümmert ausleben konnten. Dass dieses Bauwerk in dieser Stadt errichtet wurde, ist daher von enormer Bedeutung. Die heutige Hagia Sophia ist nicht die erste Kirche an diesem Ort. Die erste Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts vom römischen Kaiser Konstantin auf einem der sieben Hügel Istanbuls erbaut. Diese hölzerne Konstruktion fiel jedoch 40 Jahre später vermutlich einem Feuer zum Opfer. Daraufhin wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts von Kaiser Theodosius II., einem gläubigen Christen, eine zweite Kirche in der Nähe des Hauptportals der Hagia Sophia erbaut. Noch heute kann man auf den Ruinen dieser zweiten Kirche fantastische frühchristliche Reliefs mit Darstellungen der 12 Apostel bewundern.

Das Leben der zweiten Hagia Sophia war lang, fand aber ein trauriges Ende. Eines Tages kam es zu einem Kampf auf einer damaligen Rennbahn, heute der Sultan Ahmet-Platz, der sich zu einem Aufstand gegen den jungen Kaiser Justinian entwickelte. Die Aufständischen gingen zum Palast, konnten den Kaiser aber nicht finden, und steckten daraufhin – getrieben von ihrer Wut – die Hagia Sophia in Brand. Die kaltblütigen Entscheidungen Theodoras, Justinians umstrittener Ehefrau, führten einer blutigen Niederschlagung des Aufstands.

Dies geschah im Jahr 532. Nachdem die kaiserliche Kirche niedergebrannt war, ließ der junge Kaiser eine neue Kirche errichten. Seine Sturheit und sein Tatendrang, gepaart mit der Gier seiner Ehefrau, führten zu dem Plan, die größte Kirche der Welt zu bauen. Der Kaiser ließ einen Mathematiker und einen Architekten nach Istanbul rufen, um den Plan fertigzustellen. Beide kamen aus fruchtbaren Gebieten in Griechenland. Der eine war der bekannte Architekt Anthemios von Tralleis, der andere der berühmte Mathematikgelehrte Isidoros von Milet.

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Der Plan wurde fertiggestellt. Der Plan enthielt den Entwurf der größten Kuppel der Welt. Das war das, was der Kaiser wollte. Justinian war sehr reich. Nach der Teilung Roms stand das Imperium für kurze Zeit vor großen Herausforderungen, dich dann wurde es stärker und entwickelte sich wieder in Richtung des alten prachtvollen Roms, das über Gebiete von Italien bis Ägypten herrschte. Seine Armeen konnten unter dem talentierten Feldherren Belisarius einige Siege erringen. Der gesamte Wohlstand des Ostens floss nach Istanbul, sodass der junge Kaiser über große finanzielle Mittel verfügte. Ihm war es egal, was die Bevölkerung über den Bau der Kirche dachte. Der Kaiser war der Ansicht, das Geld der Bevölkerung für den Bau der größten Kirche der Welt ausgeben zu können. Mit dem Bau wurde am 23. Februar 532 begonnen. 10.000 Arbeiter waren daran beteiligt. Sie gingen nach Rom, um von dort Säulen nach Istanbul zu bringen. Auch Säulen von alten Tempeln im Libanon wurden nach Istanbul gebracht. Der Artemistempel in Ephesos, eines der Sieben Weltwunder, wurde für den Bau der Hagia Sophia geplündert. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Multireligiosität des Bauwerks der Grund für die Plünderungen war. Alabaster- und Marmorplatten wurden aus Ägypten und Libyen nach Istanbul gebracht. Doch die schönsten Marmorplatten wurden ganz aus der Nähe herbeigeschafft, vom Marmarameer. Der Ursprung des Namens des Meeres liegt im Wort für Marmor. Die Kuppel wuchs und wuchs.

Steine wurden von Arbeitern und Sklaven bewegt. Mosaikkünstler aus der ganzen damals bekannten Welt wurden gerufen, um das kaiserliche Gold an den Wänden anzubringen. Die Aufregung in Rom war spürbar.

Am 27. Dezember 537, einem kalten Wintertag, wurde der Kirchenschlüssel dem Kaiser übergeben. Es war unglaublich. Der Bau der Hagia Sophia war bereits nach kurzer Zeit abgeschlossen, nach 5 Jahren, 10 Monaten und 4 Tagen. Heute würde solch ein Bauprojekt wohl einige Jahrzehnte benötigen. Offenbar halfen Engel und Götter beim Bau der Kuppel, die 56 Meter hoch ist und 32 Meter im Durchmesser misst.

Sobald der Kaiser die Tür geöffnet hatte, rannte er zum Zentrum der Hagia Sophia. Er sagte:

“Sieh nur Süleyman, ich habe euch geschlagen.”.

Er bezog sich dabei auf den Süleymantempel in Jerusalem. So wurde die Hagia Sophia die größte Kirche der Welt. Justinian vergaß bei all dem materiellen Wohlstand nicht die Moral und nannte die Kirche Hagia Sophia, was „heilige Weisheit“ bedeutet.

Das Imperium war geschockt, als im Jahr 557 die bekannteste römische Kaiserin Theodora starb und die Kuppel der Hagia Sophia einstürzte. Die Engel konnten Theodora und die Hagia Sophia nicht retten. Die Kuppel wurde wieder errichtet, doch sie stürzte erneut ein. Bei jedem Erdbeben in Istanbul wurde sie beschädigt und stürzte irgendwann ein. Doch die Erhabenheit der Hagia Sophia wurde dadurch nicht überschattet. Ein ähnlich prächtiges Bauwerk konnte in ganz Europa für mehrere Hundert Jahre nicht errichtet werden.

Die Hagia Sophia wurde Zeugin vieler Ereignisse. Menschen, die ihre Ikonen nicht den Soldaten übergeben wollten, fanden hier während des “Bildersturms” im 8. und 9. Jahrhundert Zuflucht. Dieses dunkle Zeitalter währte über 120 Jahre und alle religiösen bildlichen Darstellungen wurden vernichtet. Auch alte Mosaike der Hagia Sophia wurden vermutlich währenddessen zerstört. Die heute in der Hagia Sophia zu bewundernden Mosaike stammen daher aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts, nachdem der Bildersturm sein Ende gefunden hatte. Zu diesen neueren Mosaiken aus der Mitte des 9. Jahrhunderts gehört beispielsweise das kaiserliche Tor der Hagia Sophia, das Jesus, Maria, Gabriel und Leo IV. zeigt.

Während des vierten Kreuzzuges nach Istanbul versteckten sich die orthodoxen Gläubigen in der Hagia Sophia, doch es brachte ihnen nichts. Katholische Kreuzfahrer nahmen die Hagia Sophia ein. Sie maßen diesem Ort eine große Bedeutung zu, und als der Befehlshaber Enrico Dandolo starb, begrub man ihn in der Galerie der Kirche.

Die Kreuzfahrer blieben nicht nur 57 Jahre lang in Istanbul; sie entdeckten und verstanden darüber hinaus die Pracht der Hagia Sophia und das Genie ihrer Architekten. Alle Kuppelkirchen in Europa wurden nach den Kreuzzügen erbaut.

Nach 57 Jahren verließen die Kreuzfahrer Istanbul im Jahre 1261 und Paleogos wandte sich wieder Istanbul zu, das die letzte Dynastie des Römischen Imperiums war.

In Ostrom verschlimmerte sich die Lage zusehends. Das Imperium wurde schwächer und schwächer, denn es konnte die Ermüdungserscheinungen der letzten 1500 Jahre nicht überwinden. Die große Kirche konnte nicht wieder aufgebaut werden. In gewisser Weise wurde die Kirche vom Osmanischen Reich gerettet. Fatih Sultan Mehmet (Mehmet der Eroberer) zog am 29. Mai 1453 auf einem weißen Pferd in die Stadt ein und ritt sofort zur Hagia Sophia. Gerüchten zufolge soll er vor den Mosaiken der Mutter Maria zum ersten Mal gebetet haben.

“Die Hagia Sophia ist heute dank der osmanischen Türken die älteste und größte Kirche der Welt.”.

Wahrhaftig. Die Osmanen änderten weder den Namen der Kirche noch die Inneneinrichtung, sie fügten farblich passenden Marmor hinzu und überdeckten die Mosaike mit einer weißen Schicht, um so die Hagia Sophia zu erhalten.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Istanbul vom Barock, im 19. Jahrhundert vom Rokoko geprägt. Die Hagia Sophia wurde mit Altären und Verzierungen im Barock- und Rokoko-Stil ausgestattet. Sie passten hervorragend. Sämtliche Ergänzungen wurden passend gewählt. Die osmanischen Sultane nahmen den Schutz der Hagia Sophia sehr ernst, da sie über ein künstlerisches Gespür verfügten und glaubten, Erben Ostroms zu sein. So wirkt die “Loge des Sultans” beispielsweise trotz des riesigen Korpus, der im 18. Jahrhundert im Rokoko-Stil nahe der Mihrab hinzugefügt wurde, sehr elegant.

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Es ist unmöglich, die Kalligrafien zu übersehen, die dem Bauwerk in der Mitte des 19. Jahrhunderts hinzugefügt wurden. An acht Stützpfeilern der Hagia Sophia befinden sich acht Kalligrafien für Allah, Mohammed, vier Kalifen, Hasan und Huseyin, zwei Söhne des vierten Kalifen Ali. Diese wurden vom bekannten Kalligrafen Mustafa İzzet Efendi auf Kamelhaut geschrieben. Die Namen finden sich in jeder Moschee, doch die schönsten und größten findet man in der Hagia Sophia.

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Befinden wir uns vor der Mihrab und schauen nach oben, können wir etwas Interessantes entdecken. Eine goldverzierte Bordüre der Mutter Maria mit Jesus auf dem Schoß und wundervolle Bordüren aus Kamelhaut mit den arabischen Namen von Allah und Mohammed darüber.

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Auch ein Bilderrahmen mit islamischen und christlichen Zeichen ist vorhanden. Das ist etwas sehr Seltenes. Es zeigt die Bedeutung Istanbuls für die Weltgeschichte. Ost und West, Islam und Christentum sind vereint.

Eine einzigartige Erkenntnis. Islam und Christentum können denselben Tempel nutzen. Die osmanischen Sultane hatten Respekt vor anderen Religionen. Als die Hagia Sophia zur Moschee wurde, zerstörten die osmanischen Sultane die Mosaike nicht, da sie die Schönheit bewunderten; sie überzogen sie lediglich mit einer weißen Farbschicht, da die Abbildungen im Widerspruch zum Islam standen. Wir sind stolz auf sie. Darum konnte das Osmanische Reich 400 Jahre auf drei Kontinenten überdauern. Sie vergaßen weder Gerechtigkeit noch Respekt und die Vergangenheit.

Aufgrund einer Rezession blieb die Hagia Sophia während der letzten Jahre des Osmanischen Reiches unbeachtet. Während dieser Zeit wurden beispielsweise recht unschöne Wandmalereien in der oberen Etage angebracht. Mosaikmeister konnten aufgrund der angespannten finanziellen Lage des Reiches nicht gerufen werden und so behalf man sich mit diesen Malereien.

Wenden wir uns den wundervollen Mosaiken aus dem 17. Jahrhundert zu, die Sie sehen können, wenn Sie von der Mihrab aus auf die rechte Seite des Balkons blicken. Diese goldgelbe Bordüre ist sehr interessant, denn sie zeigt uns, dass die Renaissance in Istanbul zwei Jahrhunderte vor der Renaissance in Italien stattfand. Wir sehen Bildnisse von Jesus in der Mitte, Johannes dem Täufer auf der rechten Seite und Mutter Maria auf der linken Seite. Die Proportionen von Körper und Kopf haben bei diesen Bildnissen zum ersten Mal in der Geschichte die Merkmale der Renaissance. Die Gesichtsausdrücke sind ein weiteres Merkmal der Renaissance; Jesus wird dargestellt in einem Moment, in dem er spricht. Sehen wir uns Johannes den Täufer an, erkennen wir Schmerz und Sorge des damaligen Christentums. Sein Haar ist wundervoll gemalt. Er steht, wirft seine Hände in die Luft und betet. In Mutter Marias Gesicht spiegeln sich Unschuld und Hingabe.

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Am Ende der Galerie können wir zwei Mosaike bewundern. Diese Mosaike sind nicht so wunderschön wie die bereits genannten, doch das Mosaik von Kaiserin Zeo auf der linken Seite ist sehr interessant. Die Lebensgeschichte ist Kaiserin des 11. Jahrhunderts ist sehr spannend. Zeo wurde von ihrem Vater ins Kloster geschickt, als sie gerade einmal 12 Jahre alt war. Nach dem Tod ihres Vaters 31 Jahre später verließ sie das Kloster verheiratet im Alter von 43 Jahren. Bis dahin gab es keinerlei Probleme. Doch sie heiratete noch vier Mal und wollte ihre verlorenen Jahre zurückgewinnen. Zoe wird auf dem Mosaik mit einem ihrer Ehemänner abgebildet.

Nachdem die Hagia Sophia als Kirche und als Moschee genutzt worden war, machte Atatürk es im Jahr 1935 zu einem Museum. Allein an dieser Entscheidung kann man sein Genie erkennen. Istanbul zeigt nicht nur die Verbundenheit von Ost und West, sondern auch die Toleranz und den Respekt des Osmanischen Reiches gegenüber der restlichen Welt.

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